Was ist bei der Schwingungsberechnung rotierender Maschinenteile zu beachten?

Michael ·
Präzisions-Stahlrotorwelle in schwerem Prüfstand, rotierende Flansche mit Bewegungsunschärfe, umgeben von Messsensoren in Industriewerkstatt.

Bei der Schwingungsberechnung rotierender Maschinenteile sind vor allem die Identifikation relevanter Schwingungsarten, die Ermittlung kritischer Drehzahlen und die korrekte Modellierung der Lagerrandbedingungen zu beachten. Fehler in diesen Bereichen können zu Resonanzerscheinungen führen, die Bauteile schädigen oder ganze Anlagen gefährden. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Einzelfragen, die technische Projektleiter in der Praxis beschäftigen.

Welche Schwingungsarten treten bei rotierenden Maschinenteilen auf?

Bei rotierenden Maschinenteilen treten im Wesentlichen drei Schwingungsarten auf: Biegeschwingungen des Rotors, Torsionsschwingungen entlang der Wellenachse und axiale Schwingungen. Hinzu kommen selbsterregte Schwingungen, die durch Fluid-Struktur-Wechselwirkungen oder Reibungseffekte in Lagern entstehen können. Jede dieser Schwingungsformen erfordert eine eigenständige Betrachtung in der Rotordynamikberechnung.

Biegeschwingungen sind bei Wellen und Rotoren die häufigste Ursache für Schäden, weil sie direkt mit der Drehfrequenz und deren Vielfachen gekoppelt sind. Torsionsschwingungen spielen besonders bei Antriebssträngen eine Rolle, etwa wenn Kupplungen oder Zahnräder periodische Drehmomentschwankungen erzeugen. Axiale Schwingungen werden oft unterschätzt, können aber bei Turbomaschinen oder Pumpen erhebliche Belastungen erzeugen.

Eine vollständige Schwingungsanalyse im Maschinenbau berücksichtigt alle drei Arten, bewertet ihre gegenseitige Kopplung und identifiziert, welche Anregungsquellen im Betrieb dominant sind. Gerade bei komplexen Rotorsystemen mit mehreren Lagerebenen lassen sich diese Wechselwirkungen analytisch kaum vollständig erfassen.

Was ist die kritische Drehzahl und wie wird sie berechnet?

Die kritische Drehzahl ist jene Betriebsdrehzahl, bei der die Erregerfrequenz des rotierenden Systems mit einer Eigenfrequenz des Rotors übereinstimmt. In diesem Zustand tritt Resonanz auf, was zu stark anwachsenden Schwingungsamplituden führt. Für einfache Wellen lässt sich die kritische Drehzahl analytisch über die Biegesteifigkeit und die verteilte Masse abschätzen.

Die klassische Näherungsformel nach Rankine oder Dunkerley eignet sich für einfache Geometrien. Bei realen Maschinenteilen mit variablen Querschnitten, Scheiben und mehreren Lagern reichen diese Näherungen jedoch nicht aus. Hier kommt die Modalanalyse rotierender Bauteile zum Einsatz, bei der die Eigenfrequenzen numerisch ermittelt und in einem Campbell-Diagramm den Betriebsdrehzahlen gegenübergestellt werden.

Das Campbell-Diagramm zeigt, bei welchen Drehzahlen Schnittpunkte zwischen Eigenfrequenzlinien und Erregungsordnungen entstehen. Diese Schnittpunkte definieren die kritischen Drehzahlen. Ziel der Auslegung ist es, den Dauerbetrieb außerhalb dieser Bereiche zu legen oder die Resonanzstellen so zu dämpfen, dass die Amplituden beherrschbar bleiben.

Wie beeinflusst die Lagerung das Schwingungsverhalten rotierender Bauteile?

Die Lagerung hat einen direkten Einfluss auf die Eigenfrequenzen und das Dämpfungsverhalten eines rotierenden Systems. Steifigkeit und Dämpfung der Lager gehen als Randbedingungen in die Berechnung ein und verschieben die kritischen Drehzahlen erheblich. Eine zu weiche Lagerung kann Resonanzen in den Betriebsdrehzahlbereich verschieben, eine zu steife Lagerung erhöht die übertragenen Kräfte auf das Fundament.

Wälzlager verhalten sich näherungsweise steif und werden oft mit festen Einspannbedingungen modelliert. Gleitlager hingegen erzeugen geschwindigkeitsabhängige Steifigkeits- und Dämpfungskoeffizienten, die das Schwingungsverhalten nichtlinear beeinflussen. Bei Hochgeschwindigkeitsrotoren, etwa in Turbomaschinen oder Elektromotoren, sind diese Lagerkoeffizienten ein zentraler Parameter der Rotordynamikberechnung.

Auch die Lagerposition entlang der Welle bestimmt, welche Biegemoden angeregt werden. Eine Lagerung nahe eines Schwingungsknotens einer bestimmten Eigenform dämpft diese Mode kaum ab, weil dort die Auslenkung gering ist. Die gezielte Wahl von Lagerposition und Lagertyp ist deshalb ein wirksames Mittel, um das dynamische Verhalten eines Rotors konstruktiv zu beeinflussen.

Welche Normen und Richtlinien gelten für die Schwingungsberechnung?

Für die Schwingungsberechnung rotierender Maschinenteile sind mehrere Normen relevant, abhängig von Maschinentyp und Anwendungsbereich. Die ISO 10816 und ihre Nachfolgenorm ISO 20816 regeln die Messung und Bewertung von Schwingungen an Maschinen. Für die Auswuchtgüte gilt ISO 1940-1, für Turbomaschinen gelten die API-Normen 610, 617 und 670.

Im Bereich der Rotordynamik liefert die API 684 einen anerkannten Leitfaden für die rechnerische Analyse von Rotorsystemen, einschließlich der Anforderungen an kritische Drehzahlen und Stabilitätsnachweise. Für allgemeine Maschinen im europäischen Raum sind die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und die zugehörigen harmonisierten Normen bindend.

In der Praxis orientieren sich Projektleiter zusätzlich an internen Werksstandards der Anlagenbetreiber, die über die Normforderungen hinausgehen können. Wer diese Anforderungen von Beginn an in die Auslegung einbezieht, vermeidet aufwändige Nachbesserungen in späteren Projektphasen.

Wie werden Unwucht und Auswuchtgüte in der Berechnung berücksichtigt?

Unwucht ist die häufigste Anregungsquelle bei rotierenden Maschinenteilen und entsteht durch eine Abweichung zwischen geometrischer Drehachse und Schwerpunktachse des Rotors. In der Schwingungsberechnung wird die Unwucht als umlaufende Kraft modelliert, deren Amplitude mit dem Quadrat der Drehzahl wächst. Die zulässige Restunwucht ergibt sich aus der Auswuchtgüteklasse nach ISO 1940-1.

Die Norm definiert Auswuchtgüteklassen von G 0,4 bis G 40. Präzisionsspindeln oder Schleifscheiben erfordern Klasse G 0,4, während landwirtschaftliche Maschinen mit G 16 oder G 40 ausgelegt werden. Die Auswuchtgüteklasse legt fest, welches Produkt aus Restunwucht und Betriebsdrehzahl zulässig ist, und beeinflusst damit direkt die Amplitude der dynamischen Belastung im Betrieb.

In der numerischen Berechnung wird die Restunwucht als definierte Massenexzentrizität aufgebracht und die resultierende Schwingungsantwort berechnet. Auf dieser Basis lässt sich beurteilen, ob die Lagerreaktionskräfte und die Bauteilspannungen innerhalb zulässiger Grenzen bleiben. Dieser Nachweis ist besonders bei schnell drehenden Rotoren mit engen Toleranzanforderungen unverzichtbar.

Wann ist eine FEM-Simulation der Schwingungsberechnung notwendig?

Eine FEM-Schwingungsberechnung ist notwendig, wenn analytische Methoden die Geometrie, die Randbedingungen oder die Lastfälle nicht mehr hinreichend genau abbilden können. Das ist typischerweise der Fall bei komplexen Rotorgeometrien, inhomogenen Materialverteilungen, nichtlinearen Lagersteifigkeiten oder wenn mehrere Schwingungsformen miteinander koppeln.

Konkrete Anlässe für den Einsatz der Finite-Elemente-Methode sind unter anderem:

  • Rotoren mit variablen Querschnitten, Bohrungen oder aufgesetzten Scheiben, die analytisch nicht sinnvoll vereinfacht werden können
  • Nachweis der Resonanzfreiheit bei vorgegebenen Betriebsdrehzahlbereichen mit engem Toleranzband
  • Ermittlung von Spannungsverteilungen infolge dynamischer Belastung, etwa für Ermüdungsnachweise
  • Systeme, bei denen Lager- oder Gehäusesteifigkeiten einen messbaren Einfluss auf die Eigenfrequenzen haben
  • Validierung analytischer Vorabschätzungen vor der Fertigung eines Prototyps

Die Modalanalyse rotierender Bauteile in der FEM liefert Eigenfrequenzen, Eigenformen und bei rotierenden Systemen auch die gyroskopischen Effekte, die die Eigenfrequenzen drehzahlabhängig aufspalten. Dieser Effekt, bekannt als Vorwärts- und Rückwärtspräzession, ist analytisch kaum zu erfassen und erfordert eine vollständige numerische Berechnung. Mehr zu den Berechnungskompetenzen von CE-SYS gibt es auf der Unternehmenswebsite.

Wie CE-SYS Engineering bei der Schwingungsberechnung rotierender Maschinenteile unterstützt

CE-SYS Engineering begleitet technische Projektleiter von der ersten Auslegung bis zum abgesicherten Nachweis. Das Team übernimmt die vollständige Schwingungsanalyse rotierender Bauteile, einschließlich Modalanalyse, Rotordynamikberechnung und Resonanzbewertung nach den geltenden Normen. Dabei kommen sowohl analytische Methoden als auch numerische FEM-Simulationen zum Einsatz, je nachdem, was die Aufgabenstellung erfordert.

Konkret umfasst das Leistungsangebot:

  • Ermittlung kritischer Drehzahlen und Campbell-Diagramme für Rotorsysteme
  • FEM-Schwingungsberechnung mit Berücksichtigung gyroskopischer Effekte und drehzahlabhängiger Lagersteifigkeiten
  • Unwuchtanalyse und Nachweis der Auswuchtgüte nach ISO 1940-1
  • Spannungsnachweise unter dynamischer Belastung für Ermüdungsbeurteilungen
  • Beratung zur konstruktiven Optimierung auf Basis der Berechnungsergebnisse

Wer ein konkretes Projekt zur Schwingungsberechnung hat oder eine erste Einschätzung benötigt, kann direkt Kontakt aufnehmen und die Aufgabenstellung unverbindlich besprechen.

Ähnliche Artikel